Ich dachte, „Agent Plugin“ bedeutet etwas anderes
Auslöser dieses Essays:
Video von OpenAI: Introducing Agent Plugins (Eine Einführung in den neuen offenen Standard für Agent Plugins.)
YouTube: https://youtu.be/UaeWJK_vv-Y
Ich empfehle, das Original vor oder nach der Lektüre dieses Essays selbst anzusehen. Dieser Essay rekonstruiert eine Irritation, die beim Ansehen entstanden ist. Er versteht sich weder als Zusammenfassung noch als Kritik des Originals, sondern als Rekonstruktion eines Gedankengangs, der dadurch ausgelöst wurde.
Eine unerwartete Irritation
Während ich zuschaute, wurde mir irgendwann klar, dass OpenAI etwas anderes meint, als ich beim ersten Hören des Begriffs erwartet hatte.
Das ist keine Kritik. Im Gegenteil: Die vorgestellte Richtung erscheint mir sinnvoll und konsequent. Agent Plugins beschreiben eine standardisierte Möglichkeit, einem Agenten Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen.
Meine spontane Assoziation war jedoch eine andere.
Ich hatte den Begriff Agent Plugin unbewusst als portable Einheit eines Agenten verstanden.
Nicht als Sammlung von Fähigkeiten.
Sondern als den Agenten selbst.
Ich stelle mir vor, dass ein Agent in einer neutralen Form beschrieben werden kann:
- Identität
- Rolle
- Persönlichkeit
- Arbeitsweise
- Fähigkeiten
- Werkzeuge
- Berechtigungen
- Gedächtnisregeln
- Kommunikationsregeln
Kurz gesagt:
Ein Agent als Unit of Deployment.
Dann könnte ich einen Agenten wie ein Plugin in einen beliebigen kompatiblen Client laden.
Nicht mehr:
„Installiere dieses Werkzeug."
Sondern:
„Installiere Hans."
Oder:
„Installiere Gudrun."
Ab diesem Moment wäre der Agent Teil des Gesprächs.
Ich könnte schreiben:
Hans, analysiere bitte dieses Dokument.
oder
Gudrun, welche Schwächen siehst du in Hans’ Vorschlag?
oder sogar
Hans und Gudrun, diskutiert das bitte untereinander und kommt wieder, wenn ihr euch geeinigt habt.
Bemerkenswert ist für mich, dass sich die technische Umsetzung inzwischen gar nicht mehr wie Science Fiction anfühlt.
Mit MCP-Servern, standardisierten Tool-Protokollen und den heutigen Agent-Runtimes existieren bereits viele der notwendigen Bausteine.
Was meiner Wahrnehmung nach noch fehlt, ist eine neutrale Beschreibung des Agenten selbst.
Nicht nur seiner Werkzeuge.
Sondern seiner Identität.
Vielleicht ist genau das der eigentliche Unterschied.
Heute sprechen wir meist darüber, welche Fähigkeiten ein Agent besitzt.
Mich interessiert zunehmend eine andere Frage:
Wie lässt sich ein Agent selbst so beschreiben, dass er zwischen unterschiedlichen Laufzeitumgebungen portierbar wird?
Dabei geht es ausdrücklich nicht um ein bestimmtes Sprachmodell.
Ebenso wenig um einen bestimmten Anbieter.
Ein Agent sollte seine Identität behalten können, auch wenn sich das zugrunde liegende Modell oder seine Werkzeuge verändern.
Die Laufzeitumgebung entscheidet, wie der Agent arbeitet.
Das Agentenpaket beschreibt, wer er ist.
Vielleicht war meine Assoziation einfach nur eine andere.
Vielleicht ist sie aber auch ein Hinweis auf die nächste Abstraktionsebene.
Nicht mehr:
Fähigkeiten als Plugin.
Sondern:
Agenten als Plugin.