Die Zusammenarbeit
Professionelle Expertise zeigt sich nicht nur darin, was jemand weiß, sondern auch darin, wie er mit anderen arbeitet. In Dieter Szegedis beruflicher Praxis ist die Zusammenarbeit kein nachrangiger Aspekt der Beratung. Sie gehört zu den wesentlichen Bedingungen, unter denen tragfähige Orientierung überhaupt entstehen kann.
Sein Ansatz geht davon aus, dass sich komplexe Situationen nicht durch die bloße Übertragung von Wissen vom Experten auf den Kunden lösen lassen. Verständnis wächst vielmehr in einem gemeinsamen Prozess, in dem unterschiedliche Perspektiven, Beobachtungen und Modelle schrittweise aufeinander bezogen werden. Die Qualität dieses Prozesses hängt ebenso von der Gestaltung der Zusammenarbeit wie von der fachlichen Kompetenz der Beteiligten ab.
Eine Beziehung im Dienst der Orientierung
Das zentrale Ziel der Zusammenarbeit ist bessere Orientierung.
Szegedi tritt nicht mit dem Anspruch auf, Gewissheit zu liefern. Er möchte andere dabei unterstützen, die vor ihnen liegende Situation klarer zu verstehen. Bessere Orientierung bestimmt nicht automatisch die richtige Entscheidung. Sie erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass bewusst entschieden wird und die zugrunde liegenden Annahmen bekannt sind.
Diese Unterscheidung prägt die Zusammenarbeit während eines gesamten Projekts. Wichtiger als einzelne Empfehlungen ist, sichtbar zu machen, wie Schlussfolgerungen aus den verfügbaren Beobachtungen und den zu ihrer Deutung verwendeten Modellen hervorgehen.
Das Gespräch wird dadurch selbst zu einem Teil der professionellen Arbeit und dient nicht nur der Mitteilung von Ergebnissen.
Gemeinsames Erkunden statt Experteninszenierung
Viele Beratungsbeziehungen weisen Experte und Kunde unausgesprochen feste Rollen zu: Die eine Seite besitzt Wissen, die andere nimmt es entgegen.
Szegedis Praxis folgt einem anderen Muster. Beide Seiten bringen unterschiedliche Formen von Expertise ein. Der Kunde kennt den organisatorischen Zusammenhang, seine Geschichte und seine praktischen Beschränkungen. Der Berater steuert Vorgehensweisen bei, mit denen sich Komplexität strukturieren, Annahmen prüfen und stimmige Modelle entwickeln lassen.
Keine der beiden Perspektiven reicht für sich allein aus.
So entsteht ein gemeinsamer Prozess, in dem Gedanken nach ihrem Beitrag zum Verständnis geprüft werden und nicht nach der Person, von der sie stammen. Der Schwerpunkt verlagert sich vom Verteidigen von Positionen auf den gemeinsamen Aufbau eines Modells, das die Situation angemessener erklärt.
Eine solche Zusammenarbeit verlangt geistige Offenheit, ohne auf kritische Prüfung zu verzichten. Einigkeit ist weniger wichtig als ein gemeinsames Verständnis darüber, was bekannt ist, was ungewiss bleibt und wo weitere Erkundung nötig wird.
Transparenz als Orientierung
Transparenz wird häufig als Mittel zur Vertrauensbildung behandelt.
In Szegedis beruflichem Denken erfüllt sie zunächst eine andere Aufgabe: Sie lässt die Beteiligten nachvollziehen, wie Beobachtungen mit Schlussfolgerungen zusammenhängen und an welchen Stellen Unsicherheit bestehen bleibt.
Kunden sollen den Gedankengang verfolgen, seine Plausibilität beurteilen und seine Grenzen erkennen können. Dadurch können sie die entstandene Orientierung eigenständig weiterverwenden, statt von der Autorität des Beraters abhängig zu bleiben.
Vertrauen mag aus diesem Prozess hervorgehen. Es ist jedoch die Folge nachvollziehbaren Denkens und nicht dessen eigentliches Ziel.
Unsicherheit ausdrücklich behandeln
Komplexe Organisationen bieten selten vollständige Informationen.
Szegedi verdeckt diese Unsicherheit nicht hinter selbstbewussten Empfehlungen, sondern macht sie selbst zum Bestandteil gemeinsamer Orientierung. Unbekannte Faktoren, konkurrierende Deutungen und lückenhafte Belege werden ausdrücklich benannt, sobald sie die Situation wesentlich beeinflussen.
Dadurch verändert sich der Charakter von Entscheidungen. Sie erscheinen nicht als objektiv richtige Lösungen, sondern als Handlungen innerhalb eines bestimmten Wissensstands.
Unsicherheit anzuerkennen wird so zu einer Quelle der Belastbarkeit und nicht zu einem Zeichen von Schwäche.
Unabhängigkeit des Urteils
Ein wichtiges Merkmal der Zusammenarbeit ist, dass beide Seiten ihr unabhängiges Urteil bewahren.
Der Berater übernimmt nicht die Verantwortung des Kunden für Entscheidungen. Umgekehrt soll der Kunde Schlussfolgerungen nicht allein deshalb übernehmen, weil sie von einem externen Experten stammen.
Die Zusammenarbeit stärkt vielmehr die eigene Orientierungsfähigkeit des Kunden. Ein erfolgreiches Mandat erhöht daher Selbstständigkeit statt Abhängigkeit.
Das prägt auch den Kommunikationsstil: Argumente erhalten Vorrang vor Behauptungen, Erklärungen vor Überredung und nachvollziehbare Begründungen vor der Berufung auf Autorität.
Künstliche Intelligenz in der Zusammenarbeit
Der zunehmende Einsatz von Sprachmodellen verändert das praktische Umfeld professioneller Zusammenarbeit.
In Szegedis Arbeit gilt KI weder als eigenständiger Experte noch als bloßes Produktivitätswerkzeug. Sie wirkt als zusätzliches kognitives Umfeld, das den Raum möglicher Verbindungen, Formulierungen und begrifflicher Alternativen erweitert.
Die menschliche Zusammenarbeit verschwindet dadurch nicht. Sie erhält eine weitere Dimension.
Berater und Kunde können KI zur Erkundung einsetzen; die Verantwortung für die Orientierung bleibt jedoch bei den menschlichen Beteiligten. KI liefert mögliche Erklärungen, alternative Perspektiven und strukturierte Darstellungen. Sie entscheidet nicht, welche davon das Handeln leiten sollen.
Die Qualität der Zusammenarbeit hängt deshalb nicht davon ab, menschlichen Dialog durch KI-generierte Antworten zu ersetzen. Entscheidend ist, KI in einen disziplinierten Prozess gemeinsamen Denkens einzubinden.
Eine auf Lernen angelegte Beziehung
Projekte sind nicht nur einzelne Übungen zur Lösung eines Problems. Jede Zusammenarbeit soll zugleich die Fähigkeit der Beteiligten verbessern, künftige Situationen zu verstehen.
Dieses Lernen besteht nicht vorrangig im Erwerb neuer Fakten. Es verfeinert vielmehr Modelle, durch die Erfahrungen einen stimmigeren Zusammenhang erhalten und neue Beobachtungen an Bedeutung gewinnen.
Die Zusammenarbeit ist daher ihrem Wesen nach entwicklungsorientiert. Berater und Kunde sollen sie mit einer besseren Orientierungsfähigkeit verlassen, als sie zu Beginn besaßen.
Der bleibende Wert der Beziehung liegt folglich weniger in der einzelnen Lösung, die während eines Projekts entsteht, als in der gestärkten Fähigkeit, auch nach seinem Ende mit Komplexität umzugehen.